Techtextil: Nanotechnologie für die Textilbranche

Autor: Messe Frankfurt Exhibition GmbH

Quelle - Deutscher Verband Nanotechnologie
Techtextil 2013 zeigt innovative Anwendungskonzepte

Während des letzten Jahrzehnts hat die Nanotechnologie in nahezu allen Branchen Einzug gehalten. Auf Windkrafträdern verbessern Nano-Schichten die Aerodynamik und verhindern das Überfrieren. Mikroelektronik ist zudem heute zum großen Teil Nanoelektronik. Darüber hinaus kommen Kohlenstoffnanostrukturen bei der Entwicklung neuer Leichtbaumaterialien zum Einsatz. Allein für ihre Anwendungen in Medizin, Pharmazie und Medizintechnik geht man von zweistelligen Wachstumsprognosen aus. Aber auch für die Textilbranche birgt die Nanotechnologie enormes Anwendungspotenzial. Ihre mögliche Einsatzbreite ist dabei so groß wie die der Textilien selbst. Ob Medizintechnik, Filtertechnik, funktionale Bekleidung oder Automobilbau: Namhafte Aussteller der Techtextil zeigen vom 11. bis 13 Juni 2013 in Frankfurt am Main die vielfältigen Einsatzbereiche dieser innovativen Technologie .

In Deutschland bildet das Thema einen zunehmend wichtigen Arbeitsschwerpunkt der großen Textilforschungsinstitute. Denn auch die Textilbranche hat das Potenzial der Nanotechnologie erkannt. Weit verbreitet sind bereits nano-veredelte schmutz- und wasserabweisende Bekleidungstextilien, besonders im Sport- und Outdoor-Bereich. Textilien mit antibakteriellen Eigenschaften, die auf dem Einsatz von Nanopartikeln aus Silber basieren, haben ebenfalls ihren Weg auf die Märkte gefunden. Darüber hinaus eröffnen rasch voranschreitende Forschungsaktivitäten neue Horizonte.

Die erwähnten antibakteriellen Textilien werden für die Nutzung im Gesundheitswesen optimiert - als ein Instrument im Kampf gegen die Verbreitung antibiotika-resistenter Keime. Andere medizinische Anwendungsmöglichkeiten von Nano-Textilien bestehen in rückstandslos ablösbaren Wundverschlüssen. Diese können aus Vliesstoffen biokompatibler Nanofasern bestehen oder in Form von Pflastern das aus der Natur bekannte Haftprinzip des Gecko-Fußes imitieren. Am Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik der TU Dresden werden Nanofasern aus Biopolymeren zu Vliesstoffen verarbeitet, die in der regenerativen Medizin als sogenannte Scaffolds zum Einsatz kommen können. Dies sind strukturelle Gerüste für die Kultivierung von Zellen zum Zweck der Bildung künstlichen, implantierbaren Gewebes.

Vliesstoffe auf Basis von Nanofasern können daneben auch in der Filtertechnik zum Einsatz kommen. Sowohl bei der Raumluft- wie bei der Flüssigfiltration sind sie in der Lage, auch kleinste Teilchen, bis hinab zu Nanopartikeln, zurückzuhalten.

Mediziner sind sich einig, dass Bekleidung mit einem hohen UV-Schutzfaktor das Hautkrebsrisiko deutlich verringern kann. Auch hier bietet die Nanotechnologie vielfältige Lösungsansätze. Textilbeschichtungen, die Nanopartikel aus Titandioxid oder Zinkoxid enthalten, haben Dank deren enormer Gesamtoberfläche ein großes Absorptionspotential für UV-Strahlung. Am Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West wurden sol-gel-basierte Beschichtungen mit nanoskaligem Zinkoxid entwickelt, die sich mit gängigen Methoden wie Tauchen oder Sprühen applizieren lassen. Die überaus waschbeständige Schicht verbessert nicht nur den UV-Schutz signifikant, sondern auch die Scheuerbeständigkeit, und beeinträchtigt den Weißgrad von Geweben praktisch nicht.

Nanopartikel können auch eingesetzt werden, um Formstabilität und Gebrauchseigenschaften von Kunstfasern zu verbessern, die, zum Beispiel in Fahrzeugsitzen, hoher mechanischer Belastung oder Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Diesem Thema ist Gegenstand eines Forschungsprojektes des Instituts für Textilchemie und Chemiefasern Denkendorf in Kooperation mit verschiedenen Partnern, darunter dem Traditionsunternehmen ETTLIN Textiles und der Lindenfarb Textilveredlung Julius Probst. Die mittels nanoskaliger Additive optimierten Polyamid-Faserprodukte sollen zukünftig ohne wesentliche technische Änderungen auf herkömmlichen Anlagen verarbeitet werden können.

Textilien aus Polyester haben ein begrenztes Feuchteaufnahme- und Wasserrückhaltevermögen was ihre Reinigung erschwert und technische Einsatzmöglichkeiten einschränkt. Forscher und Entwickler des Deutschen Instituts für Wollforschung an der RWTH Aachen, von Wirth Fulda und Märkische Faser haben gemeinsam mit anderen Partnern eine deutliche Verbesserung der Hydrophilie erzielt. Durch eine nanometerdünne Polyaminbeschichtung konnte an PET-Mikrofasertüchern eine gegenüber dem Ausgangsmaterial um bis zu 40 Gewichtsprozent erhöhte Wasseraufnahme erzielt werden. Waschbarkeit und Waschbeständigkeit wurden wesentlich verbessert, bei gleichzeitiger Kostenreduzierung gegenüber herkömmlichen Lösungen. Zulieferer der Automobilindustrie dürften von dieser Optimierung ebenso profitieren wie Bekleidungshersteller.

Kohlenstoffnanoröhrchen können in antistatischen Bekleidungs- oder Verpackungstextilien eingebettet werden, beispielsweise in Schutzanzügen für Reinräume oder zum Zweck des Explosionsschutzes. Auch in multifunktionalen technischen Textilien mit verbesserten mechanischen, elektrischen und abschirmenden Eigenschaften spielen sie bereits eine wichtige Rolle. Die Stabilität textiler Bewährungen in der Bautechnik kann durch Nanobeschichtungen optimiert werden, ebenso die Flammfestigkeit und Färbbarkeit von technischen Textilien und Bekleidungsstoffen. Viele weitere Beispiele ließen sich anfügen.

Die Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten und laufenden Entwicklungsprojekte lässt erwarten, dass Nanotechnologie in der Textilindustrie bald eine zentrale Größe sein wird. Die Techtextil 2013 erlaubt hier einen Blick in die nahe Zukunft.

Techtextil, internationale Fachmesse für technische Textilien und Vliesstoffe

Die Techtextil 2013 (11. bis 13. Juni 2013) konzentriert als weltweite Leitmesse sämtliche Produktgruppen sowie Anwendungsbereiche technischer Textilien an einem zentralen Veranstaltungsort und gilt als Branchenhighlight. Hier finden Industrie, Forschung, Entwickler und Handel das gesamte Themenspektrum an technischen Textilien und Vliesstoffen in allen seinen Disziplinen auf einer weltweit einmaligen Innovationsplattform. Sie findet im Zweijahres-Turnus in Frankfurt statt. In diesem Jahr wird ein besonderes Augenmerk auch auf die Potenziale von Nanofasern gelegt.

Über die Texprocess
 Parallel zur Techtextil findet vom 10. bis 13. Juni 2013 die Texprocess statt, Internationale Leitmesse für die Verarbeitung von textilen und weiteren flexiblen Materialien. Auf der Texprocess zeigen Hersteller aus der ganzen Welt ihre Hightech-Lösungen für die Bekleidungsindustrie und die Textilverarbeitung. Das Produktangebot erstreckt von Design, Schnittentwicklung und Zuschnitt über Nähen und Fügen bis hin zu Sticken, Textilveredelung, Finishing, IT und Logistik. Die Premiere 2011 zog 326 Aussteller und 17.000 Fachbesucher an, davon 6.500 von der Techtextil. Weitere Informationen www.texprocess.com.

Hintergrundinformation Messe Frankfurt

Die Messe Frankfurt ist mit 538* Millionen Euro Umsatz und weltweit 1.891* Mitarbeitern das größte deutsche Messeunternehmen. Die Unternehmensgruppe besitzt ein globales Netz aus 28 Tochtergesellschaften und rund 50 internationalen Vertriebspartnern. Damit ist die Messe Frankfurt in mehr als 150 Ländern für ihre Kunden präsent. An über 30 Standorten in der Welt finden Veranstaltungen „made by Messe Frankfurt" statt. Im Jahr 2012 organisierte die Messe Frankfurt 109* Messen, davon mehr als die Hälfte im Ausland.

Auf den 578.000 Quadratmetern Grundfläche der Messe Frankfurt stehen derzeit zehn Hallen und ein angeschlossenes Kongresszentrum. Das Unternehmen befindet sich in öffentlicher Hand, Anteilseigner sind die Stadt Frankfurt mit 60 Prozent und das Land Hessen mit 40 Prozent.

Themen

Windfeste textile Beschattung, Klebstoffe für Kunstoff- u. Textilbodenbeläge, Textile Bodenbeläge, Textilien mit Faserschutz, Wasserabweisung, Bad-Textilien, Raumausstatter Heimtextilien, Techtextil, Leichtbautextilien
Quanex Building Products Corporation

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